Geologie Stuttgart 21 S21

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MAGPlan

Sauberes Grundwasser für Stuttgart

Erschienen am 10.05.2011

„Ziel von MAGPlan ist eine nachhaltige Verbesserung der Grundwasserqualität und damit auch ein dauerhafter Schutz des Mineralwassers in Stuttgart. Dazu entnehmen Experten im gesamten Talkessel systematisch Grundwasserproben. Sie bilden die Basis für ein detailliertes Grundwassermodell, das ein Verständnis für die Zusammenhänge im Stuttgarter Untergrund ermöglichen soll. Davon ausgehend werden bestehende Verschmutzungsquellen identifiziert und die Sanierung der Hauptschadensquellen vorbereitet.“

Untersuchungsbohrungen ab April 2011

Das Projekt MAGPlan läuft bis 2014. Ab dem 18. April 2011 werden erste Untersuchungsbohrungen im Stadtgebiet vorgenommen. Gebohrt werden zunächst sechs 30 bis 70 Meter tiefe Grundwassermessstellen im Stuttgarter Osten beim SWR und rund um die Karlshöhe. Dort weist das bestehende Grundwassermessnetz in den tieferen Stockwerken bisher die größten Lücken auf.

Die Bohrungen können für die Anwohner mit Lärmbelästigungen verbunden sein. Innerhalb einer Woche ist eine Bohrung jedoch meist fertig gestellt und zur Messstelle ausgebaut. Danach erinnert nur noch ein Deckel im Gehweg an den hier bestehenden Grundwasseraufschluss. Die anschließenden Pumpmaßnahmen und Probenahmen, die auch in rund 300 weiteren bestehenden Grundwasseraufschlüssen in der Innenstadt erfolgen, sind geräuschfrei.

Die Projektkosten von 3,4 Millionen Euro übernehmen die Landeshauptstadt Stuttgart und die EU zu je 1,6 Millionen Euro, sowie die LUBW (Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz) mit 200 000 Euro.

Im Rahmen einer internationalen wissenschaftlichen Begleitgruppe tauschen sich am 7. und 8. April 2011 in Stuttgart Experten der betroffenen Fachgebiete über das Thema aus. Die Gruppe wird das Projekt auch in den kommenden Jahren begleiten.

Für die Öffentlichkeit wird im Herbst zu den Mineralquellen angeboten. Interessierte können sich zudem auf der Website www.sauberes-grundwasser-stuttgart.de über Hintergründe und den aktuellen Stand des Projekts informieren.

Presse:

Weltwassertag: Stuttgarter Grundwasser im Blick - Stadt Stuttgart

Neue Bohrungen sollen für besseren Schutz sorgen - Stuttgarter Nachrichten

Lage der Bohrpunkte - Stadt Stuttgart

 

Bericht 18.05.2011:

Ich war heute bei der "Eröffnung" des Projektes MAGPlan am SWR durch Bürgermeister Hahn und den Herren Flad und Ufrecht vom Amt für Umweltschutz. Schönes Wetter, entspannte Atmosphäre und wichtige Informationen.

Die Bohrungen sollen nicht bis in den Muschelkalk gehen, aber bis in den Oberen Unterkeuper (Lingula-Dolomit), also ca. 30 m tief. Weitere Bohrungen rund um die Karlshöhe und vor dem Bethesta-Krankenhaus.

Es geht nicht primär um die Erkundung von Schadstoffen - einer weiteren schlummernden Zeitbombe bei den geplanten großflächigen Eingriffen in das Grundwasser für Stuttgart 21. Es wurde offen von einer weiteren Erkundung des Grundwasserfließ-Systems gesprochen, da hier Lücken bestehen, d.h. die Grundwasserströme sind bis heute nicht vollständig erfasst.

Also Verdacht bestätigt, die Grundwasserströme unter Stuttgart sind doch nicht so gut bekannt, wie bisher behauptet - ein zumindest sehr kreativer Einsatz von Fördergeldern zur Altlastenerkundung für die Erforschung der Stuttgarter Grundwasserströme!

Als Informationsmaterial wurde vom Amt für Umweltschutz das alte Modell ausgehängt, in dem die neuen Erkenntnisse zu den Mineralwasserströmen nicht berücksichtigt wurden.

Quelle: www.sauberes-grundwasser-stuttgart.de/projekt.html

Beim angekündigten Projekt MAGPlan ist Folgendes auffällig:

  1. Die Stadt bzw. das Amt für Umweltschutz geben zu, dass sie das Strömungssystem im Untergrund nicht genau kennen. Das ist insbesonders im Bezug auf die Planung, Auslegung und Steuerung des Grundwassermanagements sehr bemerkenswert bzw. bedenklich. Wie kann ein Grundwassermanagement, das zur Verhinderung des unnatürlichen Aufdringens des Stuttgarter Mineralwassers geplant ist, seine Aufgabe erfüllen, wenn die zugrunde liegenden Berechnungen der unterirdischen Wasserflüsse auf unvollständigen Daten beruhen? Hier wurde aufgrund der scheinbar bekannten Lücken in der Erkundung von den verantwortlichen Planern und Genehmigungsbehörden scheinbar wissentlich ein unkalkulierbares Risiko in Kauf genommen. Zudem bestätigen die Projektdarstellungen und Fachvorträge, dass das Grundwasser und das tiefere Mineralwasser sehr wohl in Kontakt miteinander stehen und der Untergrund über dem Mineralwasser mitnichten dicht ist.
  2. Nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Presseberichten scheinen die Mineral- und Grundwasserströme im Stuttgarter Untergrund in ihrer Richtung und Ergiebigkeit von den Projektplanern Wasserwirtschaft (Stadt Stuttgart, Kobus und Partner) aktuell nur unzureichend erfasst bzw. erkannt zu sein. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass das Programm MAGPlan auch als Zweckentfremdung von EU-Mitteln für die regionale Ermittlung des Grundwasserflusses zu Gunsten von S21 angesehen werden kann, denn hier scheinen ja erhebliche Daten- und Wissenslücken zu bestehen (siehe Punkt 1).
  3. Die Vermutung einer gewissen Zweckentfremdung wird bestärkt durch die großräumige und damit sehr ungewöhnliche bis sogar unsinnige Lage der Bohrpunkte. Wie kann man die Abstromfahne von Schadstoffen von Altlasten mit Bohrpunkten strömungsaufwärts (an der Karlshöhe) ermitteln? Es handelt sich ja um eine Abstromfahne weg von der Innenstadt in Richtung Mineralquellen. Und schließlich, wie ist die vereinzelte Bohrung weit entfernt am SWR in Zusammenhang mit diesem innerstädtischen Altlastproblem zu bringen? Die Vermutung einer gezielten Erkundung des „neuen Mineralwasserstromes“ aus Osten muss zumindest erlaubt werden.

In Anbetracht der bestehenden Datenlücken zum Grundwassersystem im Untergrund Stuttgarts, müssen die bereits erteilten Genehmigungen für das Grundwassermanagement dringend und sofort von den Wasserbehörden zurückgenommen werden. Dies sollte dann auch entsprechende Auswirkungen auf die Planfeststellung für Stuttgart 21 haben. Nur dies kann den Schutz und langfristigen Erhalt des einzigartigen und unwiederbringlichen Stuttgarter Mineralwassers dauerhaft gewährleisten.

 

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Dr. Ralf Laternser - Diplom-Geologe - Stuttgart