Geologie Stuttgart 21 S21

Häufige Fragen

Frage zu Tunnelbau S21 und S-Bahn

Hallo,
in Diskussionen um S21/K21 taucht immer wieder das Argument auf, dass in Stuttgart ja schon vieles unterirdisch gebaut wurde, u.a. die S-Bahntunnel und da sei ja auch nichts passiert mit dem Gipskeuper bzw. noch besser: die Tunnel lägen ja sogar noch tiefer als die Röhre, die für die Züge bei S21 geplant ist - so ein Totschlagargument halt.

Ich wüsste gerne, ob mir jemand von Ihnen vielleicht gute Links zu diesem Thema schicken kann (ich bin keine Ing.in, also bitte eher für Laien verständliche Links), wo ich mich mit Gegenargumenten wappnen kann für künftige Diskussionen.
Vielen Dank für eine Antwort!

Herzliche Grüße
X.X

Antwort

In Stuttgart wurden tatsächlich schon viele Tunnel gebaut. Tunnel bauen ist geologisch sehr spannend, aber beinhaltet auch immer Risiken - und ist sehr teuer.

Und je mehr und je längere Tunnel, desto unabschätzbarer die bautechnischen Risiken und die Kosten!

Man muß immer abwägen ob sich das Risiko lohnt und ob das alles wirtschaftlich ist. Das ist bei Stuttgart 21 anzuzweifeln - sowohl was die Leistungserhöhung, die Eingriffe in Satdt und Natur - als auch die Kosten an.geht!

 

Für S21 sind ca. 60 km Tunnel geplant. Der 2,3 km lange Heslacher Tunnel kostete z.B. vor vielen Jahren 141 Millionen Euro! Da darf man (ohne Inflation)  gerne mal rechnen!
Der geplante Tunnelbahnhof S21 ist quer zum starken Hauptgrundwasserstrom im Nesenbachtal und mitten durch den "streng geschützten" inneren Bereich des Heilquellenschutzgebietes geplant. Im Nesenbachtal fließt besonders viel Grundwasser und darunter fließt wiederum besonders viel Mineralwasser. Beide Wassersysteme stehen hier nachweislich miteinander in Verbindung und der Druckspiegel (die Höhe, auf die das Mineralwasser mit seinem natürlichen Druck "von alleine" hochsteigen würde) des Mineralwassers ist im Mittleren Schlossgarten mit 4 m unter der Oberfläche sehr oberflächennah (S-Bahn 10 m!). Die S-Bahn befindet sich in höheren, vom Mineralwasser weiter entfernten Schichten mit deutlich weniger zuströmenden Grundwasser von den Hängen.

Beim Bau der U-Bahn in den 60/70er Jahren, parallel zum geplanten Tunnelbahnhof, gab es in diesem Bereich Wassereinbrüche, verbunden mit einem Nachlassen der Quellschüttung der Berger Heilquellen. Diese Ereignisse wurden leider nie wissenschaftlich untersucht, doch die geplante Verbindung der U-Bahn-Haltestellen Klett-Passage und Staatsgalerie wurde daraufhin nicht verwirklicht.

Für den geplanten Tunnelbahnhof wurde das Heilquellenschutzgebiet nach objektiver geologischer Bewertung (Folie 29 +30) [pdf] und im Bezug auf die tatsächlichen geologischen Gegebenheiten künstlich angepasst. Für den geplanten Bau braucht es trotzdem 15! zum Teil langfristige Sondergenehmigungen von der Heilquellenschutzverordnung. Diese Tasache allein verdeutlicht schon die mögliche Tragweite des geplanten Eingriffes ins Grund- und Mineralwasser. Diese Ausnahmegenehmigungen wuden dem Projektbetreiber Bahn durch die Untere Wasserbehörde, dem Amt für Umweltschutz des Projektbetreibers Stadt Stuttgart, erteilt.

Ganz wichtig aber ist:

Stuttgart 21 liegt deutlich tiefer als die S-Bahn!


Der am tiefsten gehende Teil von Stuttgart 21 ist der sogenannte Nesenbachdüker der sogar in die vor bautechnischen Eingriffen eigentlich absolut geschütze Kernzone eingreift. Hier konnte nur mit speziellen Ausnahmegenehmigungen "zum Wohle" der Allgemeinheit die Planung erfolgen. Den Auftrag für die bautechnisch schwierigen Bauwerke am Nesenbachdüker hat trotz mehrfacher Ausschreibung noch keine Baufirma angenommen.

Und ob es beim Tunnelbau der S-bahn Probleme gab - darüber leigen keine fundierten Informationen vor. immerhin war die S-Bahn auf die Fildern ja ein sinnvolles und überschaubares Bauwerk mit ebenso überschaubaren Kosten. Erfahrungen sind immer wichtig - aber die geologischen Verhältnisse sind prinziepiell viel zu heterogen um pauschale Aussagen über mögliche Probleme anderswo zu geben. Das ist fachlich unseriös und evtl. sogar gefährlich. da erinner ich nur an das die 2 Bohrlöcher für den Bilderrahmen: Eines passt problemlos - das andere trifft die Wasserleitung.

Dr. Ralf Laternser - Diplom-Geologe - Stuttgart