Geologie Stuttgart 21 S21

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- "Ingenieurskunst " 2 x steiler als die Geislinger Steige

Tunnelbau ohne Sinn

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Wusstest du, das Tunnelbauer und Ingenieure für Geld völlig ideologiefrei jeden Tunnel bauen

(Bahn-)Tunnel werden auf Fernverkehrsstrecken in der Regel gebaut um (geologisch bedingte) Hindernisse oder Steilstrecken zu entschärfen und den Zugverkehr technisch, aber auch die Reisezeit betreffend zu erleichtern. So hat der neue Gotthard - Basis - Tunnel unter dem Alpenhauptkamm seit Neuestem eine maximale Neigung von 6,76‰ und ist von Zügen aller problemlos passierbar.

Jetzt werden für Stuttgart 21 fast 60 km Tunnelröhren unter der Stadt gegraben um die Züge in den geplanten Flaschenhals-Tiefbahnhof aufwendig ein- und auszufädeln. Dabei bohrt man unter einer Großstadt nicht nur fast 16 km quellgefährliches Anhydrit-Gestein (mehr als  in Europa in den letzten 100 jahren insgesamt) sondern schafft auf einer Fernbahn - Hauptstrecke auch noch extrem lange, teure, die Nutzung erheblich einschränkende, gefährliche Steilstrecken-Tunnel von über 25‰. Diese übertreffen in ihrer Neigung (und Länge) die berühmte und "ach so hinderliche" Geislinger Steige mit ihren 22,5 ‰ locker.

Die Geislinger Steige im Früjahr 2017

Namentlich ist das bei Stuttgart 21 der geplante Fildertunnel zum Flughafen, der mit 25 ‰ steiler ist als das berüchtigte Pendant auf die Schwäbische Alb. Hier sollen dann u.a ICE´s mit entsprechendem Energieaufwand "hochbrettern" um dann nach dem Flughafenbahnhof (die landeseigenen Flughafen AG erhofft vom ökologischen Projekt 1 Million mehr Passagiere) die selbe Höhendifferenz wieder "herunterzubrettern". Nur ein geringer Teil des Zugmaterials der Bahn AG ist überhaupt für solche Strecken zugelassen!

Knifflig auf der Steilstrecke könnte es werden bei Stau im Tunnel, oder wenn erhitze Bremsen oder Hydraulikflüssigkeiten beim Abbremsen des "Herunterbretterns" in den Tiefbahnhof zu qualmen beginnen bzw. Feuer fangen und dann der Zug im Tunnel oder noch spektakulärer im engen unterirdischen Tiefbahnhof mit seiner 6-fach über den Vorschriften liegender Gleisneigung (15,143 ‰) brennend ankommt und nicht wirklich zu Stehen kommen kann. Und dann noch so richtig losbrennt. Da aber von den Experten der Bahn immer noch am  Brandschutzkonzept arbeiten und die so unabhängigen und kritischen baden-württembergischen Behörden dies wie immer bei Stuttgart 21 streng begleiten, ist wohl nichts zu befürchten. Zumindest nicht für nicht Mobilitätseingeschränkte im schmalbahnsteigigen und tiefergelegten Rolltreppen-Bahnhof. Das alles macht den Tunnelbauern natürlich nichts - vielmehr verspricht es langfristig Aufträge und viele heldenhafte Berichte über brav arbeitende tolle Kerle, die irgendwelche monströse Technik zur Verfügung haben.

Und zur Freude der Tunnelbauer gibt es nach (räumlich gesehen) dem Stuttgart 21 Projektgebiet noch ein weiteres lukratives Tunnelprojekt. Die Neubaustrecke nach Ulm. Im Gegensatz so jeglicher Bahnlogik wird hier durch aufwendigsten Tunnelbau das Gefälle durch ein Hindernis (Schwäbsiche Alb) nicht vermindert, sondern in fast schon extreme Bereiche für eine Fernbahn-Hauptstrecke versteilt. Statt lächerlichen 22,5 oder 25 ‰ wie in Geislingen an der Steige ("Steigle") oder dem Fildertunnel, schafft es die Neubaustrecke auf 35‰. Güterzüge werden hier niemals fahren - wurden aber für die gefakte Wirtschaftlichkeitsberechnung die trotzdem hauchdünn am Minimalwert kratzt, mit nicht geringer betrügerischer Energie von Land BW und Bahn wohlwollend mit einberechnet, so dass die Genehmigung gewünscht zügig vonstatten gehen konnte.

Übrigens wussten sie, dass es durch die 60 km Tunnelröhren für Stuttgart 21 überhaupt gar keinen Zeitgewinn gibt , wie man in den Standard-Medien allgemein und nicht recherchiert gebetsmühlenhaft verbreitet. Der Zeitgewinn (angeblich 26 Minuten) würde nämlich durch die anschließende Neubaustrecke nach Ulm erreicht. Wahrscheinlich schmilzt dieser aber im überlasteten verspätungsanfälligen Tiefbahnhof jedoch merklich dahin. Für die meisten Zug-Passagiere (80% die nach Stuttgart wollen oder dort umsteigen) wird dieses peinliche, politikergeplante und unterdimensionierte Fernverkehrsprojekt wohl Verzögerungen und verpasste Anschlüsse, im vernachlässigten Nah- und Regionalverkehr ohne wartenden Züge im zentralen Bahnhof bedeuten.

Und wussten Sie auch, dass man quasi heute, also ab sofort, schon eine flotte Express-S-Bahn zu Flughafen fahren lassen könnte, die auch noch direkt unter dem Terminal hält und nicht wie der mindestens 1 Milliarde teure Flughafenbahnhof 250 m Fußweg (5-10 Minuten Gehzeit) vom Terminal entfernt wäre!

 

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Dr. Ralf Laternser - Diplom-Geologe - Stuttgart